Übung der Züge Deutsch Evern und Melbeck der Feuerwehr Ilmenau und des Zuges West der Feuerwehr Ostheide am 7. Mai 2011

Als Ausgang für die Übung wurde folgende Grundsituation angenommen:

Auf dem Standortübungsplatz (SÜP) der Bundeswehr bei Wendisch Evern halten sich ohne Erlaubnis seit dem 6. Mai 2011 zehn junge Männer auf. Zum Übernachten benutzen sie die Übungshäuser des SÜP und sind dort eingebrochen. Sie feiern bis spät in die Nacht unter andrem mit Alkohol und Marihuana. Am nächsten Tag fahren drei von den jungen Männern unter Alkohol- und Drogeneinfluss ein Wettrennen um die Übungshäuser. Die Autos verunglücken und rammen ein Übungshaus, Qualm steigt auf.

Um 12:55 Uhr geht bei der Feuerwehreinsatzleitstelle (FEL) Lüneburg über Notruf 112 folgender Hilferuf ein: „Kommen Sie schnell … der Blödmann ist voll besoffen in das Haus gefahren und kommt nicht mehr raus und ich glaube, der Wagen fängt gleich an zu brennen … jedenfalls qualmt es wie verrückt.“ Dem Disponenten gelingt es noch, den Unfallort zu erfragen – nämlich  „… bei den Häusern auf’n Übungsplatz“ – und dann bricht der Kontakt mit dem anrufenden Mobiltelefon ab.

Aufgrund des Notrufes werden die Züge Deutsch Evern und Melbeck sowie der Einsatzleitwagen aus Kolkhagen alarmiert. Diese Ortsfeuerwehren haben an diesem Tag eine gemeinsame Monatsübung geplant. Sie werden mit dem Einsatzstichwort „Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person – brennt PKW“ zu den Übungshäusern geschickt.

Im weiteren Verlauf der Übung wird angenommen, dass durch den entstandenen Brand bei den Übungshäusern ein sogenanntes Flugfeuer einen Waldbrand rund 1½ Kilometer entfernt in der Nähe des Munitionsdepots auf dem SÜP verursacht.

Für diese Übungsaufgabe wird der Zug West der Samtgemeinde Ostheide alarmiert. Der 5. und 6. Zug der Kreisfeuerwehrbereitschaft Uelzen übt selbst in der Gegend und wird zur Unterstützung eingesetzt.

An dieser Übung nehmen zwei Rettungswagen des ASB und die 1. Bergungsgruppe des THW OV Lüneburg teil. Als Statisten in den Übungshäusern sind Jugendfeuerwehr-angehörige und Reservisten der Bundeswehr-Reservistenkameradschaft Lüneburg dabei. Die Reservisten stellen auch die Wache beim Munitionsdepot.

Für die Übung sind zwei Stunden Dauer angesetzt.

Ablauf der Übung

Abschnitt Übungshäuser

Bei Eintreffen der Feuerwehr stellt Einsatzleiter Uwe Hauschild fest, dass drei Pkws verunglückt sind und aus einem Haus Qualm dringt. Der Zug Melbeck wird mit der Rettung der Personen aus den Fahrzeugen beauftragt und der Zug Deutsch Evern erkundet unter Atemschutz das verqualmte Haus.

Der eingetroffene Rettungsdienst macht sich ein Bild von den eingeklemmten Personen. In zwei Autos sind je eine Personen zu sehen und zeigen Lebensanzeichen. Diese werden nun mit Hilfeleistungsgerät befreit. Ein Pkw wird abgesichert, damit es nicht kippen kann. Während dessen sägen weitere Kräfte die Scheiben aus dem anderen Pkw, um weitere Verletzungen zu minimieren.

Die Personen können befreit und dem Rettungsdienst übergeben werden. Beim dritten Pkw stellt der Rettungsdienst nach Öffnen eines Zuganges den Tod der Person fest; hier nimmt der Zug Melbeck nun eine Bergung vor.

Zeitgleich hat der Zug Deutsch Evern das Gebäude erkundet. Sie haben ein Fenster im ersten Stock geöffnet, da der eigentliche Eingang verschlossen ist. Über die Leiter steigt ein Trupp unter Atemschutz ins Haus, ein Sicherungstrupp unter Atemschutz steht bereit. Sie finden im 2. Stock sieben nicht ansprechbare Personen; das Treppenhaus vom 1. Stock zum Erdgeschoss ist zerstört. Sie finden auch noch Glut- und Brandnester. Das Feuer kann gelöscht werden und mit einem Belüfter wird der Qualm aus dem Haus gedrückt. Die im Haus befindlichen Personen müssen nun aus dem Haus geholt werden. Die angeforderte Bergungsgruppe des THW Lüneburg sucht mit der Ortsfeuerwehr Deutsch Evern einen geeigneten Rettungsweg. Eine Rettung direkt aus dem 2. Stock ist aufgrund der Platzverhältnisse nicht möglich. Eine Höhenrettung aus dem 1. Stock ist möglich. Die Feuerwehrtrupps bringen die Personen aus dem 2. Stock in den ersten, wo sie vom THW übernommen werden und mittels einer Bergungstrage auf einer Leiter heruntergelassen werden. Nun können die Personen vom Rettungsdienst versorgt werden.

Nachdem die Tanklöschfahrzeuge der Ortsfeuerwehren Deutsch Evern und Melbeck vor Ort nicht mehr gebraucht werden, werden sie zur Unterstützung der Waldbrandbekämpfung abgezogen.

Abschnitt Waldbrand, Sicherung des Munitionsdepot

Die Wache des Munitionsdepots meldet Rauch im Waldgebiet zwischen Niendorfer Weg und Deutsch Evern. Der Rauch zieht in Richtung Munitionslager. Alarmiert wird der Zug West (Wasserversorgung) der Samtgemeinde Ostheide. Einsatzleiter Horst Holtmann meldet nach Eintreffen der FEL einen Waldbrand, der sich in östlicher Richtung ausbreitet. Er fordert Unterstützung an und erhält diese aus Uelzen. Der 5. und 6. Zug der Kreisfeuerwehrbereitschaft üben an der Kreisgrenze. Längst dem  Niendorfer Weg soll eine Riegelstellung entstehen. Der Zug West fängt mit der Waldbrandbekämpfung an. Sie bringt ihre Strahlrohre am Riegel in Stellung, das Wasser kommt anfänglich aus den Tanklöschfahrzeugen des Zuges. Die Tanklöschfahrzeuge fahren im Pendelbetrieb, das heißt, sie fahren zwischen einer Wasserentnahmestelle und einer -abgabestelle hin und her. Die Wasserentnahmestellen sind die zwei unterirdischen Wassertanks auf dem Gelände des Munitionslagers, beide zusammen fassen eine halbe Million Liter. Diese Wassertanks werden gefüllt mit dem Wasser aus dem Elbeseitenkanal, hierfür wird die Kreisfeuerwehrbereitschaft Uelzen eingesetzt. Es gilt eine Wasserförderung über knapp einen Kilometer herzustellen. Diese Aufgabe wird gelöst. Die Wassertanks können als Puffer mit Wasser gefüllt werden und auch eine „Standleitung“, eine ständig gefüllte Wasserleitung, kann bis zur Wasserabgabestelle des Zuges West gelegt werden. Die Standleitung wird über den Absperrzaun des Munitionslagers mittels Leitern gelegt. Kurz nachdem die Tanklöschfahrzeuge der Feuerwehr Ilmenau den Riegel erreichen, wird die Gesamtübung nach circa 2 ½ Stunden abgebrochen.

Nach Ende der Übung

Nachdem die einzelnen Einheiten abgebaut haben, sammelten sie sich am Feuerwehrhaus Deutsch Evern, wo der 4. Zug der Kreisfeuerwehrbereitschaft Uelzen ihre Küche aufgebaut hatte und die eingesetzten Kräfte bewirtete. Die Verpflegung war prima. Danke!

In einer kurzen Nachbesprechung wurde den eingesetzten Kräften für ihre Bereitschaft an so einem Tag zu üben gedankt.

Es konnten nicht allen Regieanweisungen des Organisationsteams umgesetzt werden, das hätte zeitlich nicht gepasst. Die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Hilfsorganisationen und über die Kreisgrenze war aus Sicht der Gemeindebrandmeister Horst Holtmann und Uwe Hauschild sehr gut. Die Schwierigkeiten der Kommunikation per Funk werden hoffentlich mit der Einführung des Digitalfunks ein Ende haben. Die FEL Lüneburg wies den Feuerwehren während der Übung einen neuen Funkkanal zu. Auf diesem war eine Kommunikation nicht möglich, da ein Einsatzleitwagen als Relais* hätte dienen sollen, aber mit seinem Funkmast nicht hoch genug kam. Uwe Hauschild bedankte sich ausdrücklich für die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und die Bereitschaft den Standortübungsplatz immer wieder zur Verfügung zu stellen.

Das Übungsszenario ist nicht wirklichkeitsfern. Öfters halten sich unerlaubt Menschen bei den Übungshäusern das SÜP auf, die dort feiern. Das zeigen kleine Müllberge und auch Stellen mit verkohlten Holzresten.

Die Übung sollte einerseits die Zuwegung und das Gelände den Einsatzkräften näher bringen und die Zusammenarbeit der einzelnen Hilfsorganisationen unter Leitung der Feuerwehr stärken. Die Menschenrettung aus Pkws in Absprache mit dem Rettungsdienst oder die Höhenrettung mit dem THW, aber auch die Zusammenarbeit der Feuerwehren aus zwei Kreisen zu üben ist wichtig. Erfahrungen werden ausgetauscht, das Zusammenspiel verbessert und der Wissenstand, was welche Einheit leisten kann, wird aktualisiert.

Andererseits zeigte die Übung Schwierigkeiten der Waldbrandbekämpfung in diesem Gebiet. „Da ist es gut, dass es die Wassertanks des Munitionsdepot gibt“, sagt der stellvertretende Gemeindebrandmeister Ilmenaus Stefan Ostermann, unter dessen Leitung diese Übung geplant wurde. Eine Wasserversorgung über einen Kilometer Länge aufzubauen braucht seine Zeit.

 


*Ein Relais aufbauen bedeutet, dass ein Funkgerät den empfangenden Funk weiterleitet, sendet. Der Mast hierfür hätte die Baumwipfel überragen müssen.